Whisky – Schottland

Geschichte – Regionen – Produkte

Die Geschichte des Scotchs

Eine Reise durch die Vergangenheit

Destillation ist nicht über Nacht entstanden. Es gab eine Vielzahl von Kulturen auf unterschiedlichen Kontinenten, die mit Gebilden aus Metall oder Ton zu destillieren begonnen haben. Zum Beispiel haben griechische Seeleute vor ca. 2500 Jahren Meereswasser aufgekocht und das Kondenswasser aufgefangen um es trinken zu können.
Vor 2100 Jahren fing man an auf diese Weise Wein zu destillieren um den daraus gewonnenen Weinbrand zu trinken. Im Laufe der Jahre perfektionierte man das Gefäß mit welchem gekocht wurde. So wurde ein Kessel mit einem langen Rohr und einer Kugel am Ende verbunden. In Aussehen und Funktion durchaus vergleichbar mit Brennblasen von heute.

Etwa zur gleichen Zeit wurde das Destillieren in Alexandria von Alchemisten entdeckt, welche das Mystische, die Chemischen Prozesse von Feuer und Geist für Rituale und die Herstellung von Elementen verwendeten.

Erst viele Jahrhunderte später, zwischen dem 9. Und 10. Jahrhundert begannen die Perser und Araber in dem Prozess der Destillation etwas wissenschaftliches zu sehen. Sie entwickelten sehr große Brennblasen und widmeten sich durch die Herstellung von Destillaten der Suche nach dem „Elixier des Lebens“.

Die Reise nach Großbritannien

Zwischen dem 12. Und 14 Jahrhundert wanderte das Wissen um die Destillation vom Nahen Osten weiter über Ost- nach Westeuropa. Zu dieser Zeit fand in Europa gerade das große Erwachen der Renaissance statt. Das Wissen der alten griechischen Welt wurde wieder entdeckt und weiter gegeben. Es begann eine Zeit der wissenschaftlichen Entdeckungen und Erfindungen.

Mit dem Ausbruch der Pest bekam die Destillation einen Aufschwung. Destillate wurden als Medizin genutzt oder einfach getrunken um den Tod leichter ertragen zu können.
Die Kirche, welche sich eigentlich gegen Spirituosen aussprach, gestattete Klöstern das Bauen von Brennblasen zur Herstellung von Medizin und Likören aus Kräutern welche sie in den Klostergärten anbauten.

Das Wissen um den Bau von Brennblasen und die Herstellung von Alkohol wurde von den Mönchen auf ihren Missionarsreisen verbreitet.

Erste Nachweise

Im August 1494 bekam der Mönch John Cor, es ist nicht ganz klar zu welchem Kloster er gehörte, die Erlaubnis „according to the King‘s command“ Aquavite aus 508kg Gerste herzustellen. Bis dato hatte weder in Schottland, auf den westlichen Inseln noch in den Inneren Hebriden jemand jemals etwas von Destillaten gehört. Dementsprechend war es nicht verwunderlich das niemand wusste wie der Mönch John Cor ‚Aqua vitae‘, übersetzt: „Wasser des Lebens“, herstellte.

Die fehlenden Jahre

Für die folgenden 200 Jahre gibt es keine Belege für die Existenz von Spirituosen in Schottland. Das Auge richtet sich erst im Jahre 1644 wieder auf Destillate. Allerdings wurden diese in Schottland bis ins frühe 18. Jahrhundert mit dermaßen hohen Steuern belegt, dass es nur wenig belegte Berichte von offiziellen Destillen gibt. Was aber nicht heißt, dass nicht destilliert wurde. Es wurde nur nicht versteuert.
Mit der Reformation wurde das Wissen um die Destillation an die Bevölkerung weiter gegeben, als Kunst und Wissenschaft, welche den Klöstern den Rücken gestärkt hatten, an Bedeutung verloren.
Als der Krieg mit Frankreich Ende des 17. Jahrhunderts den Transport von Wein und Brandy nach Schottland blockierte, Blüte die Whisky Industrie in Schottland auf.

Es geht aufs Land

Das technische Wissen, Kupfer und die Fähigkeit es zu verarbeiten verbreiteten sich schnell unter der Landbevölkerung und nach kürzester Zeit wurden grob verarbeitete Brennblasen leicht verfügbar.
Allerdings wurde die Destillation nicht an die große Glocke gehängt. Man produzierte kleine Mengen Zuhause, meist für den eigen Bedarf. Verwendet wurden verschiedene Getreide, meist miteinander vermengt oder auch Nüsse, man verwendete einfach was man hatte oder auf den Feldern fand.
Daran das man diese Destillate später mal in Holzfässern lagern würde, dachte dabei noch keiner. Stattdessen mixte man sie mit Milch, Früchten und anderen Aromen um sie leichter trinkbar zu machen oder verwendete sie gegen Krankheiten.
Es war nicht Whisky wie wir ihn kennen. Es war eine Spirituose die ihren Namen aus dem Gälischen bekam:. „ ‚Usige beatha‘ – Water of Life“, allerdings mit vielen Definitionen.

Es passierte im Untergrund

Es spielte keine Rolle womit sie es herstellten oder womit sie es mixten, die Bevölkerung liebte es. Diese unglaubliche Beliebtheit erregte die Aufmerksamkeit des Schottischen Parlaments und so erlegten sie auf Gerste und Whisky, mit dem ‚Excise Act‘ von 1644, erheblichen Steuern. Allerdings war es erst der ‚Act of Union‘ mit England im Jahre 1707 welcher die Whiskyherstellung in den Untergrund zwang. Das Gesetz sollte die Whiskyproduktion in den Highlands unterbinden und den Schottischen Clans, welche eine Chance in der Veränderung sahen das rebellische Denken austreiben.

Was folgte war ein heftiger Kampf zwischen den kleinunternehmerischen Destillen und den Steuereintreibern, den ‚gauger’s‘. So wurde der Schmuggel zum Standardprozess und die illegale Produktion von Whisky erblühte für weitere 150 Jahre: Clane verschwanden mit ihren Destillen in den Bergen, Schmuggler und Dorfgemeinden entwickelten geheime Codes für Warnungen und den Transport und sogar Minister der Kirche versteckten und schmuggelten Alkohol.
In den 1820ern wurde mehr als die Hälfte des in Schottland getrunkenen Alkohols schwarz produziert.

Der ‚Excise Act‘

Wichtige Grundherren erkannten das Problem und auch die Chance die sich dahinter verbarg.
Man stellte sich die Frage, wenn es möglich ist mit einem schlecht ausgeklügelten und ineffizienten System des Schmuggelns so viel Geld zu verdienen, wieviel verdient man dann erst, von einem effizienten und legalen System? Und so drängten sie die Regierung das Gesetz zu ändern und so die Whiskyproduktion auf legalem Weg profitabel zu machen.

1823 wurde der ‚Excise Act‘ überarbeitet. Die Folge war, dass Destillen für 10 Pfund gestattet wurde Whisky zu produzieren, sowie sie per Gallone Alkohol eine festgelegte Abgabe zu entrichten hatten.

In den folgendes 10 Jahren starb der Schmuggel – nicht ganz reibungslos – aus.
Die ‚Cummings of Cardow‘ – heute bekannt unter dem Namen Cardhu – Schwarzbrenner seit mehr als einer Generation wechselten ihre Farbe 1824.Viele der Destillen die man heute kennt haben früher schwarz gebrannt und waren am Schmuggel beteiligt.
Der ‘Excise Act’ hat über Nacht eine Industrie erschaffen, eine Industrie welche dank der Schmuggler bereits über einen Markt und Transportrouten verfügte.

Aeneas Coffey, Johnny Walker und Phylloxera

Diese Industrie wurde Zeuge von drei großartigen Dingen, welche der ‚Excise Act‘ zur Folge hatte. Zuerst entwickelte Aeneas Coffey 1830 das Coffey bzw. Patent Still verfahren, was eine größere und auch schnellere Produktion zur Folge hatte. Außerdem schuf es einen weiteren Markt für die Produktion von ‚Grain‘ Whiskys, welche vorwiegend zum Verschneiden (blend) mit ‚Malt‘ Whiskys verwendet werden.

Dies kurbelte erst die Produktion und dann auch die Nachfrage für Blendet Scotch an, weil es nun möglich war Blended Scotch mit einer unglaublichen Qualität herzustellen. So entstanden die großen Häuser für Blended Whisky, auch Johnny Walker, das wohl größte Unternehmen für Blended Scotch.

50 Jahre später wurde Frankreich von der Phylloxera Fliege heimgesucht. Diese zerstörte sämtliche Rebstöcke und Traubenernten. Im Jahre 1880 war die gesamte Wein und Cognac Produktion zerstört. Dies war der Moment auf den der Scotch gewartet hatte. Es dauerte nicht lange und er eroberte die Keller der Reichen und wurde so zur bevorzugten Spirituose der Oberklasse.

Es wird Global

Trotz eines Zusammenbruchs zum Ende des 19. Jahrhunderts, dem harten Wettbewerb mit anderen Whisky produzierenden Ländern, zwei Weltkriegen und der ‚Great Depression‘ und Prohibition in den USA, überlebte schottischer Whisky und wurde zur Nummer Eins aller Spirituosen dieser Welt.
Heute spielt es keine Rolle mehr wo man her kommt, was für eine Glaubensbekenntnis man hat oder welchem Clan man angehört. Mit Whisky wird auf Geschäftsabschlüsse angestoßen, er wird im Urlaub getrunken, bei Homecoming-Partys und bei jeder anderen noch so kleinen Gelegenheit, und das in mehr als 200 Ländern.

Whisky Regionen

Wir unterteilen Whisky in geographische Gebiete. Dabei ist in der Regel die Rede von vier Whiskyregionen.
‚Speyside‘ liegt im Norden Schottlands eingefasst von den ‚Highlands‘. Im Süden, zwischen der Grenze zu England und den ‚Highlands‘ befinden sich die ‚Lowlands‘ und in deren Zentrum die Stadt Edinburgh. Die Inseln, welche sich rund um Schottland befinden, werden einfach nur ‚Islands‘ genannt.

Ich würde allerdings sagen, dass es sechs Whiskyregionen in Schottland gibt. Denn wenn man Whisky nicht nach ihrer Geographie unterteilt, sondern nach ihrem Geschmack, dann gibt es zwei weitere Gebiete. Das soll nicht bedeuten, dass alle Whiskys aus den Highlands oder Speyside gleich schmecken. Ich meine damit eher, dass es für jede Region bestimmte Aromen  bzw. ein bestimmtes Geschmacksprofil gibt.
Deswegen zähle ich zusätzlich noch Campbeltown, eine Stadt auf der Halbinsel ‚Peninsula of Mull of Kintyre‘, und die Insel ‚Isle of Islay‘ hinzu.

Lowlands

Single Malts aus dieser Region sind typischerweise leichte, weiche, milde Whiskys mit Noten von hellen Früchten, Blumen und Gräsern. Es ist der perfekte Whisky für Ladies.
Die meisten Destillen produzieren allerdings weniger hochwertigen, dafür aber günstigen Grain (Weizen) Whisky, welcher vorwiegend für die Produktion von Blended Whiskys verwendet wird und sich in diversen Whiskys auf der ganzen Welt wieder findet.
Deswegen gibt es nur eine Handvoll Single Malt Destillen in den Lowlands.

Highlands

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Whisky aus den Highlands voller Aromen von Heidekraut, Kräutern, getrockneten Früchten, Nüssen, Toffee, Honig, Gewürzen, und einer milden süße ist.
Bei Whiskys welche in der Nähe der Küste destilliert werden kommen noch maritime Noten, Torf und Rauch hinzu.

In den Highlands gibt es zu viele Destillen um hier alle auf zu zählen, deswegen nur ein paar Beispiele. Das folgende Zitat hat mir einfach zu gut gefallen um es auch zu übersetzen!

Dalwhinnie 15y                                                                                        
“Aromatic, vanilla, cut flowers and beneath, a clean, toasty note. Increasingly sweet and creamy, with fresh citrus, lemon cheesecake.”

Speyside

Speyside Malts sind eher Komplex mit Noten von Grünem Apfel, Zitrone, Blumen und viel Frucht.

  • Balvenie
  • Cragganmore
  • Cardhu
  • Glenlivet
  • Glenfarclas
  • Glendronach
  • Macallan

Campbeltown

Weiche, fruchtige Whiskys mit leichter süße.
Von ehemals 28 Destillen sind in dieser Stadt nur drei übrig geblieben.

  • Springbank:                 produziert drei Marken: Hazelburn, Springbank und Longrow
  • Glen Scottia:               die wohl am wenigsten bekannte Destilliere aus der Gegend
  • Glengyle:                       wird unter dem Namen Kilkerran vertrieben.

Islands (Isle):

Torfige Whiskys mit Noten von Zitrone und Salz.

  • Isle of Skye
    Talisker
  • Isle of Jura
    Jura                                        

Isle of Islay

Kräftig getorfte Whiskys mit Noten von Seegras, Salz und hellen Früchten.

  • Ardbeg
  • Bruichladdich        –>       Octomore      /      Port Charlotte
  • Caol Ila  
  • Lagavulin                                                                                          
  • Smokehead 

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Single Malt, Grain und Blended Whisky?

Single Malt:
Ist Whisky welcher nur in einer Destille produziert wird, wobei Gerste das Rohmaterial ist. Dabei spiel es keine Rolle wie viele Destillate miteinander verschnitten werden, es ist nur wichtig, dass alle diese Destillate Whiskys sind welche in derselben Destille produziert werden und, dass das Alter des jüngsten Verwendeten Whiskys auf dem Etikett der Flasche steht.

Single Grain:
Ist Whisky welcher nur in einer Destille produziert wird, wobei Weizen das Rohmaterial ist. Dabei spiel es keine Rolle wie viele Destillate miteinander verschnitten werden, es ist nur wichtig, dass alle diese Destillate Whiskys sind welche in derselben Destille produziert werden und, dass das Alter des jüngsten Verwendeten Whiskys auf dem Etikett der Flasche steht. Grain Whiskys werden meist für Blends verwendet.

Blended Scotch:
Ist Whisky welcher aus verschiedenen Whiskys, von unterschiedlichen Destillen hergestellt wird. Das bedeutet: unterschiedliche Alter, verschiedene Fässer, Aromen und Geschmäcker und auch unterschiedliche Rohstoffe (Gerste, Weizen, …).

In der Anfangszeit von Whisky, als die Nachfrage sehr große war, entschieden sich viele Destillen, dazu ‚Blends‘, also Blended Scotch herzustellen. Einfach weil die Produktion günstiger und es möglich war wesentlich schneller zu produzieren, da die Whiskys nicht nur aus einer Destillen stammen mussten.

Heutzutage verfügt Blended Scotch über hervorragende Qualitäten. Da Blends über Jahre und Jahrhunderte hinweg über den selben Geschmack, die gleiche Farbe und Qualität verfügen, eignen sie sich hervorragend für klassische Cocktails. Egal wo auf der Welt, ein Johnny Walker schmeckt überall gleich.


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